, Hofer David

Festansprache Gemeinderat David Hofer anlässlich des Bundesfeiertags 2025

Anlässlich des ersten Augusts 2025 hielt unser Gemeinderat David Hofer die Festansprache an der offiziellen Bundesfeier der Gemeinde Konolfingen sowie an der Bundesfeier der Stiftung Lebensart in Konolfingen.

 

Rede zum ersten August 2025 – Gemeinde Konolfingen

 

Hochgeschätzte Konolfingerinnen und Konolfinger,

 

Der deutsche Dichter Wilhelm Busch sagte einst:


„Stets findet Überraschung statt, da, wo man's nicht erwartet hat.“,


Dass ich heute Abend hier am Rednerpult stehe, war so nicht geplant. Eigentlich hätte heute unser zukünftiger Gemeindepräsident, Jonas Roher, zu Ihnen sprechen sollen. Die Flyer waren gedruckt, der Ablauf fixiert. Doch wie so oft im Leben kam es anders. Jonas muss sich bedauerlicherweise für den heutigen Abend entschuldigen – er lässt Sie herzlich grüssen. Er wünscht uns allen einen freudvollen, würdevollen und festlichen Bundesfeiertag.


Und so ist es nun: Jetzt stehe ich heute Abend vor Ihnen. Nicht als Notlösung – nein, mit echter Freude und grossem Respekt.

In den letzten Tagen bin ich durch unser schönes Konolfingen spaziert und habe mich ein wenig umgeschaut: Wo ist der 1. August schon sichtbar? Fahnen, Banner, Lampions, Girlanden – das ganze Dorf macht sich bereit zum Feiern. Selbst der Tangento fährt beflaggt durch die Strassen. Und ich muss sagen: Das hat mich schon als kleiner Junge begeistert. Wenn die Fahnen hängen, wusste ich: Es ist etwas los bei uns.

Bei meinem Spaziergang hielt ich am Jodlerbrunnen an der Burgdorfstrasse einen Moment inne und las dessen Inschrift:


„Am guete Alte i Treui halte, am chräftige Neue vo Härze sich freue.“

Unzählige Male habe ich diese Inschrift in meinem Leben schon gelesen – früher auf den Spaziergängen mit meinen Eltern, ich bin im Dörfli aufgewachsen, später, wenn ich nach der Schule am Brunnen eine Pause machen musste, da es der Stutz mit dem Velo wirklich in sich hat.
Natürlich war ich damals noch zu klein, um mir wirklich Gedanken darüber zu machen, was Oskar Friedrich und Hedi Schmalz damit gemeint haben könnten.
Aber jetzt, heute, habe ich zumindest eine Idee, was mit diesen Worten gemeint sein könnte. Heute traue ich mir eine Interpretation zu.

Wenn wir heute den 734. Geburtstag unseres Landes feiern – immerhin das fünftälteste Land Europas – dann zeugt das von einer gewissen Beständigkeit. Unser System scheint etwas zu taugen.
Gut, Konolfingen ist nicht ganz so alt – aber ich möchte heute lieber unsere Gemeinde in den Fokus meiner Rede stellen.

Als klar wurde, dass ich im Gemeinderat das Amt von Daniel Hutmacher übernehmen würde, stellte mir ein Journalist in einem Interview die Frage:


„Wenn Sie einen Wunsch bei einer Fee hätten – was würden Sie sich für Konolfingen wünschen?“


Meine Antwort kam ohne langes Überlegen:
Ich würde mir wünschen, dass Konolfingen seinen eigentümlichen Charakter und ländlichen Charme behalten kann.

Dass Konolfingen „kein Bauerndorf mehr“ sei – das haben wir in den letzten Jahren oft gehört. Und ja, es stimmt. Heute sind wir eine Zentrumsgemeinde.

Das Dorf ist gewachsen, neue Menschen sind zugezogen, die Anforderungen an unsere Gemeinde haben sich verändert.
Das öffentliche Leben verlangt nach mehr Regeln und Prozesse sind komplexer geworden.
Parallel geschieht etwas, das unser Zusammenleben viel grundlegender verändert:
der rasante technische Fortschritt und alles, was damit einhergeht.
Dieser Fortschritt bringt viele neue Möglichkeiten – aber eben auch neue Risiken.
Nicht nur technische, sondern auch zwischenmenschliche Normen werden infrage gestellt.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie wenig echte menschliche Interaktion unser Alltag noch verlangt?

  • Die Kassiererin wird ersetzt durch den Self-Check-out.
  • Die Einzahlung am Schalter weicht dem Automaten oder der App.
  • Neue Nachbarn ziehen ein – und man weiss nach einem Jahr noch nicht, wie sie heissen.
  • Was früher das offene Wort an der Gemeindeversammlung war, wird vielerorts durch das Gemeindeparlament oder gar der stillen Stimmabgabe an der Urne ersetzt – und damit verschwindet ein Stück gelebte Demokratie.

Auch wenn Wachstum und Veränderung immer das Risiko bergen, die eigene Identität zu verlieren, so muss – ja, darf – Wandel nicht heissen, dass man seine Wurzeln vergisst.

Im Gegenteil: Gerade im Wandel zeigt sich, wie tief diese Wurzeln wirklich im Boden verankert sind.
Denn verändern heisst nicht, sich zu verleugnen – sondern zu zeigen, wie fest man trotz allem dasteht.

Damit unser Dorf seinen eigentümlichen Charakter und ländlichen Charme also behalten kann, braucht es vor allem eines: dass wir unsere Gemeinschaft pflegen und das Zwischenmenschliche erhalten.
Ob durch Engagement in einem Verein oder der Feuerwehr, den Einkauf im lokalen Laden, die politische Arbeit oder den Besuch der Gemeindeversammlung – es sind genau diese bewussten Handlungen, die uns als Dorf zusammenhalten.

 

Nun hat der Spruch am Jodlerbrunnen bekanntlich noch einen zweiten Teil: «am chräftige Neue vo Härze sich freue.“

Und genau das ist vielleicht der schwierigere Teil.
Denn über die Vergangenheit zu sprechen, fällt uns oft leichter – sie ist greifbar, sichtbar, abgeschlossen und vertraut. Aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen – und vielleicht wäre das auch gar nicht der richtige Weg.

Die Vergangenheit ruht also. Aber die Zukunft fragt uns, was wir mit ihr tun wollen.

Dem Ungewissen der Zukunft nicht nur standzuhalten, sondern ihm mit Offenheit zu begegnen – und sich vielleicht sogar von Herzen darauf zu freuen – das braucht Mut.
Und es braucht Vertrauen.

Vertrauen haben – in unsere Nachbarn, in die Gemeinschaft von Konolfingen, dass wir gemeinsam die richtigen Wege finden.
Aber genauso:

Vertrauen schaffen – indem man als Einzelner alles daransetzt, durch Haltung und Handeln vertrauenswürdig zu sein.

Auch die drei Eidgenossen auf dem Rütli wussten nicht, was kommen würde.
Auch sie brauchten Mut – und Vertrauen zueinander.
Das Resultat: Wir feiern heute den 734. Geburtstag unseres Landes.

Und was sie damals begonnen haben, liegt heute in gewisser Weise in unseren Händen – hier, in unserer Zeit, unserem Konolfingen. Machen wir also etwas daraus, jetzt ist es an uns!

Sehr geehrte Helferinnen und Helfer, liebe Musikanten,

Vielen Dank für euren Einsatz. Nur dank euch ist es möglich, dass wir hier gemeinsam den Abend so traditionsverbunden verbringen können.

Liebe anwesende Konolfingerinnen und Konolfinger,

ich danke Ihnen herzlich, dass Sie heute hier sind, um gemeinsam den Geburtstag unserer Schweiz zu feiern und das Beisammensein in froher Runde zu geniessen.

Ich freue mich darauf, im Anschluss mit dem einen oder anderen von Ihnen persönlich ins Gespräch zu kommen und schliesse meine Rede mit den Worten des italienischen Dichters Dante Alighieri:

"Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt."

 Besten Dank.